"Statistiken sind wie Straßenlaternen: Dem Einen leuchten Sie den Weg, dem Anderen dienen sie zum festhalten." Ob mir die neuen Zahlen, die ich vor wenigen Tagen bekommen habe, den Weg leuchten werden , wird sich erst zeigen. Vorenthalten möchte ich ein paar erste Ergebnisse der elf18er-Studie jedoch nicht.
Die elf18er-Studie ist eine repräsentative face-to-face Mehrthemenbefragung bei elf bis 18jährigen Personen in Österreich. Durchgeführt wird die Studie nun bereits zum zweiten Mal im Auftrag des Jugendministeriums durch das Institut jugendkultur.at. Befragt wurden jetzt im Herbst 2007 n=880 Jugendliche aus ganz Österreich, je 440 im Alter von 11-14 und 15-18 sowie je 440 Mädchen und Burschen sowie auch repräsentativ für Ortsgröße. Für den Bereich der Computerspiele habe ich bei der zweiten Welle ein paar Einfragen durchsetzen können, die erste, nackte Zahlen zur Computerspielenutzung bei Österreichs Jugendlichen bringen sollten. Es gibt bis lang erst den Zwischenbericht mit den Haupttabellen zu den Fragen, ohne jede weitere Auswertung, Und – wenn ich die Jubelmeldungen des Handels ernst nehme – kann es gut sein, dass schon im Jänner ganz andere Zahlen rauskommen würden:
Derzeit geben nur 21% der Jugendlichen an, nie am Computer oder der Konsole zu spielen, wohingegen 19% fast täglich und weitere 20% mehrmals pro Woche zocken. Die ältere Teilgruppe spielt dabei – nach eigenen Angaben – etwas weniger als die jungen. Und die Mädchen deutlich weniger: bei den weiblichen Befragten sind es fast ein Drittel, die nie und insgesamt nur knapp über 20% die sehr häufig (also fast täglich oder mehrmals pro Woche) spielen.
Bei den beliebtesten Genres sind Actionspiele (wie GTA, X-Men, Fluch der Karibik) in der Gesamtwertung mit 43% Zustimmung (Mehrfachauswahl möglich!) an der Spitze, bei den Burschen sogar mit 61% (gegenüber 18 % Zustimmung bei den Mädchen). An zweiter Stelle der Beliebtheit folgen Rennspiele (37%) und dann schon Fun- oder Partyspiele. Bei Letzteren sind es die Mädchen mit 49% Zustimmung die das damit gefundene genderspezifischen Lieblingsgenre soweit nach vorne bringen. An zweiter Stelle der Beliebtheit bei den Mädchen kommen mit je 37 % gleichauf die Simulationen und die Mini-Games. Was mir auffällt ist, dass immerhin 19% der 11-14jährigen Shooter als ihr Lieblingsgenre nennen. Ob das nun tatsächlich stimmt oder nur zum Eindruckmachen gesagt wurde, sei dahingestellt, aber aus dieser Altergruppe geben immerhin 40% an, dass es ihren Eltern egal sei, ob und was sie spielen und nur 39% sagen, dass ihre Eltern die Spiele kennen, die sie spielen.
Weitere Ergebnisse werde ich hier in nächster Zeit posten.
Und es wird meine Aufgabe sein, diese Zahlen und die weiteren Analysen zu interpretieren und vielleicht sogar ein paar Maßnahmen-Vorschläge für die zukünftige Jugendministerin oder den zukünftigen Jugendminister abzuleiten und ihr/ihm gegenüber zu argumentieren.
Mehr als 60% der Eltern wissen also (nach Einschätzung der Kinder) nicht was ihre Kinder spielen. Da orte ich erheblichen Handlungsbedarf.
Kommentiert von: Michael Wagner | Freitag, 22. Dezember 2006 um 22:20 Uhr