Die Moralpanik der letzten Wochen rund um das Thema „Gewalt im Computerspiel“ hinterlässt uns ein eigenartiges Paradoxon, welches interessanterweise so gut wie nie direkt angesprochen wird. Zum einen ist man sich in den Reihen der ComputerspielforscherInnen verhältnismäßig einig darüber, dass man Gewalt durch Computerspiele nicht so ohne weiteres erlernen kann. Zum anderen ist man sich in der derselben Community aber auch einig darüber, dass Spiele im Allgemeinen und Computerspiele im Besonderen sich besonders gut zum Erlernen unterschiedlichster Kompetenzen eignen. Es ist jedoch unmittelbar klar, dass diese beiden Aussagen im direkten Widerspruch zueinander stehen. Warum sollten wir ausgerechnet gegen die Aneignung von „gesellschaftsfeindlichen“ Kompetenzen immun sein während wir scheinbar alle anderen Kompetenzen im Spiel wie ein Schwamm aufzusaugen imstande sind?
Im Folgenden möchte ich den Versuch einer Erklärung dafür geben, dass dieses Paradoxon nur scheinbar existiert. In Wirklichkeit sind Spiele kein Garant für einen funktionierenden Lernprozess. Erfolgreiches Lernen in Computerspielen setzt Gegebenheiten im Verhältnis zwischen Spiel, SpielerIn und Umwelt voraus, die oftmals nicht vorhanden sind bzw. über Methoden eines didaktischen „Meta-Designs“ erst mühsam geschaffen werden müssen.
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