Im Rahmen der Studienreise ans MIT in Boston trafen wir heute Scot Osterweil, Creative Director für Education Arcade Projects am MIT. Dankenswerterweise hat Doris Rusch (ganz links im Bild) ein umfangreiches Programm zusamengestellt, und das Gespräch mit Scot war die erste Veranstaltung am Gambit.
Die Education Arcarde Projects sind Entwicklungen im Bereich "Lernen mit Computerspielen". Die Projekte umfassen die Fächer Mathematik, Literatur, Geschichte und Fremdsprachen. In dem Gespräch mit uns erläuterte Scot die Schwierigkeiten Computerspiele als Lehrmittel zu etablieren. Dies liegt nicht nur an den vorhandenen Strukturen - Lehrmittel dieser Art stünden in den USA nur der Middle- & Upperclass zur Verfügung. Auf die Frage von Michael Wagner, ob es dafür einen Markt gäbe bzw. wie dies zu refinanzieren wäre, verwies er auf sein Modell:
Das Spiel wird aus Kostengründen in Flash programmiert und onine gespielt. Es ist also von unterschiedlichen Workstations (Schule, zu Hause, bei Freunden) über einen Server und nach persönlichen LogIn spielbar. Und - ein wichtiger Aspekt - es fördert die Zusammenarbeit mit anderen Spielern, ein Nebeneffekt, der neben dem der Vermittlung der eigentlichen Unterrichtsinhalte auch noch Social Skills bei den Schülern fördert.
Scot Osterweil sieht dabei keinen Unterschied zwischen Lernspielen im Schulunterricht und Training für Erwachsenen, mit dem sich Alexander Pfeiffer beschäftigt. Derzeit arbeitet Osterweil an einem Spiel namens Lure Of The Labyrinth, ein außergwöhnliches Spiel für den Mathematik- und Literaturunterricht für 10-14-Jährige, das innerhalb von 18 Monaten bis 2009 mit einem Budget von rund 2 Mio US-Dollar realisiert werden soll. Aber, so Scot Osterweil, es wird noch einige Zeit dauern, bis diese Form von Unterricht etabliert werden kann. Aber er sieht darin einen essentiellen Bestandteil im Unterricht der Zukunft. Die Anfänge des Computerspiels als Lehrmittel vergleicht er mit der Einführung von Film im Unterricht.
Nach dem Game Design Course heute Nachmittag treffen wir am Donnerstag Henry Jenkins. den Autor von Convergence Culture. Und am Freitag sprechen wir mit Chris Weaver, Gründer von Bethesda (Oblivion, Morrowind). Spannende Tage in Massachusetts - stay tuned!
Als einer der bei der Diskussion dabei war noch eine kleine Egänzung - aus Sicht des Lehrers:
Spannend finde ich die Diskussion bzgl. der Einsatzmöglichkeiten von games im Unterricht v.a. hinsichtlich der immer stärker werdenden Tendenz zur Zentralisierung und Standardisierung. Hier laufen offensichtlich zwei Systeme gegenander, was zukünftig wohl noch einiges an Auseinandersetzung bringen wird. Kommen die Computerspiele in die Schule, oder muss die Schule ins Spiel? Ich bin für Letzteres, denn: Sind nicht letztlich die Spielerfahrungen die wesentlichen Erfahrungen, welche unser Leben prägen? Insofern muss Schule wohl wirklich zum Spiel werden und weniger zum Spielball!
Kommentiert von: Ewald Staltner | Donnerstag, 08. Mai 2008 um 00:45 Uhr